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Pfingstpredigt

Predigt Pfingsten 2015

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und seinem Sohn Jesus Christus.

Johannes 14,23-27

Jesus sprach zu seinen Jüngern:
„Wer mich liebt, der wird mein Wort halten;
und mein Vater wird ihn lieben,
und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.
Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht.
Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort,
sondern das des Vaters, der mich gesandt hat.
Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin.
Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.
Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt.
Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“[/k]

Herr, segne unser Reden und Hören durch deinen Heiligen Geist. Amen.

Liebe Gemeinde
Noch vor 10 Jahren, wenn ich wissen wollte, was in meinem Heimatort in Lauenstein los ist, hab ich meine Eltern oder meine Schwester angerufen und gefragt. Heute bin ich in einer Whats-App und Facebook-Gruppe. Außerdem hab ich den Bürgermeister abonniert. Heute rufen mich meine Eltern an und sagen: Schau doch mal schnell im Internet, wann und wo da was ist.

Auf meinem Handy hab ich selbstverständlich eine Übersetzungsapp um mal schnell englische Wörter nachzuschauen, die mir grade nicht einfallen. Auch die Bibel in Griechisch und Hebräisch mit Erklärungstexten hat darauf Platz.
Der Heilige Geist, der alles lehrt und uns an alles erinnert – was vor 2000 Jahren ein Menschheitstraum war, ist heute Wirklichkeit geworden. Zumindest wenn ich ein Netz habe.

Aber kann mich mein Handy auch trösten? Das ist ja auch eine, vielleicht die wichtigste Eigenschaft des Heiligen Geistes. Mir fällt dazu eine kleine Begebenheit ein: Vor einiger Zeit war ich mit meiner Frau zusammen in einem Cafe schön frühstücken. Zwei jungen Frauen sind hereingekommen und haben sich an den Nachbartisch gesetzt, so dass ich sie gut sehen konnte. Sie haben ordentlich bestellt, mit Sekt und allem drum und dran. Als das Essen dann da war, haben sie alles schön auf dem Tisch zurechtgestellt und dann kurz innegehalten. Ich hab für einen Moment gedacht: Jetzt sprechen sie ein Tischgebet. So hat das alles gewirkt. Aber nein. Beide haben ihr Handy rausgeholt, ein Bild gemacht vom Essen und einen kurzen Text dazu gepostet und dann erst angefangen zu Essen.

Man kann jetzt sagen: da sieht man mal wieder, was für banale Sachen die Menschen in sozialen Netzwerken austauschen – wen interessiert das schon.
Man kann das aber auch ganz anders sehen: Es gibt offensichtlich ein tiefes Bedürfnis von uns Menschen uns anderen mitzuteilen. Die schweren, aber auch vor allem die schönen Dinge des Lebens miteinander zu teilen. Ich habe seitdem oft darüber nachgedacht und kann immer weniger Schlechtes daran finden. Menschen lassen andere teilhaben an ihrem Leben, interessieren sich füreinander und nicht nur für die spektakulären Abschnitte – nein für das ganz Normale, für den Alltag. Die Technik ist so einfach zu bedienen geworden, dass diese Verbundenheit blitzschnell immer und überall hergestellt werden kann.
Grenzen zwischen Menschen werden aufgehoben. Es ist nicht mehr wichtig ob man in der Stadt oder auf dem Land wohnt – die Angebote im Internet gelten für alle. Es ist auch nicht mehr so wichtig, ob die Oma im Nachbardorf oder in Australien lebt. Vor allem Menschen mit Verwandten und Freunden in Amerika oder Australien bestätigen mir das – es ist ein Segen, was mit der neuen Technik möglich ist. Einmal die Woche skypen wir und ich sehe die Kinder und Enkel aufwachsen, fast so, als wäre ich dabei.
Natürlich, werden jetzt einige einwenden, dass das nicht dasselbe ist, ob man sich am Bildschirm sieht oder sich so richtig begegnet. Von Angesicht zu Angesicht. Es ist halt nur Virtuell.
Stimmt – aber muss es deswegen schlechter sein?
Es hängt doch immer von uns Menschen ab, wie wir Begegnungen gestalten.
Wie viele Menschen, die sich leibhaftig von Körper zu Körper gegenüberstehen, haben sich nichts mehr zu sagen oder feinden sich sogar an, schimpfen übereinander und beleidigen sich.
Dass ich jemand real begegne, sagt noch nichts aus über die Qualität dieser Begegnung.

Und umgekehrt wird natürlich im Internet genauso übereinander hergezogen, wie im richtigen Leben, nur verteilt es sich noch schneller und weiter.
Im Johannesevangelium finden wir eine Anleitung für den Umgang miteinander, die gerade auch für unser Internetzeitalter von Bedeutung ist.
Wer mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht.
Liebe als Maßstab zwischen Menschen ist unverzichtbar – in der realen Welt und in der virtuellen genauso – Liebe macht Begegnungen wertvoll oder entwertet sie.
Ich glaube, dass wir heutzutage etwas erleben, was bisher nur wenige Menschen erleben durften – eine komplette Neuorientierung – eine Revolution, ausgelöst durch eine Technik, die längst selbst zur Botschaft geworden ist. Vergleichbar vielleicht mit der Reformation vor 500 Jahren.

Die Reformation war auch ein Medienereignis. Nicht nur, dass Bibeln schnell verbreitet werden konnten. Auch Flugblätter und Bilder wurden massenhaft unters Volk gebracht. Ideen verbreiteten sich vergleichsweise blitzartig. Immer unter dem Leitstern: Freiheit.
Der einzelne der aufbegehrt und endlich auch aufbegehren kann gegen ein scheinbar allmächtiges System. Das ist bis heute das Credo von Facebook, Twitter und Co: Im Namen der Meinungsfreiheit stellen wir die Technologie zur blitzschnellen Ideenverbreitung zur Verfügung.

Luther hat gearbeitet wie ein moderner Blogger – der fast alle seine Erlebnisse als Tagebuch im Internet veröffentlicht. Als Luther anfängt öffentlich zu schreiben verfünffacht sich die Buchproduktion von knapp 200 Werken im Jahr auf über 900. Und einige verdienen gut mit. Die Drucker zum Beispiel. Ein ganz neuer Boomberuf.
Sie übernahmen praktisch das Marketing: Bilder, Flugblätter, kurze Schlagworte – fast im Twitter-Stil wurde die Person Luther vermarktet. Und längst nicht alles was gedruckt wird ist da hochwertig.
Aber eines bleibt als Orientierung lebendig. Die Ideen und Visionen Luthers sind biblisch. Die Freiheit eines Christenmenschen und überhaupt erst die Bildung von Öffentlichkeit.
Und natürlich gibt es auch jede Menge Gegenwind. Die ersten Zensurversuche können wir in der Reformation beobachten. Das Wormser Edikt verbietet alle Verbreitung der neuen Ideen – ein Shitstorm der Drucker ist die Folge.

Hat Luther diesen Wandel ausgelöst – oder war er nur Sprachrohr für eine Bewegung, die nur auf die neuen medialen Möglichkeiten gewartet hat.
Wir stehen heute vor ähnlichen Fragen: Fast ein bisschen hilflos wirken Politik, Kirchen und ganze Länder angesichts der Geschwindigkeit und Machtfülle von einzelnen Medienkonzernen.
Die ganz selbstverständlich für sich in Anspruch nehmen die großen Menschheitsträume wahr werden zu lassen.
Weltweite Orientierung und Verständigung. Etwas, das traditionell seit Pfingsten dem Heiligen Geist und seiner Kraft zugeschrieben wird.
Blinde sehen, Lahme gehen – die Medizintechnik machts möglich.

Und die Firmengründer sind auch alles andere als unreligiöse Menschen. Dont be evil (Sei nicht böse) soll das Motto der Firmengründer von Google gewesen sein.
Tatsache ist, dass es Unternehmens-Grundsätze von Facebook und Google im Internet zu lesen gibt – und dreimal dürfen Sie raten, wie viele es sind: Natürlich 10

Ich lese mal ein bisschen daraus vor: Freiheit des Teilens und Verbindens, fundamentale Gleichheit, Gemeinnützigkeit und Verbindung über staatliche und geographische Grenzen hinweg. Menschen verstehen sich, obwohl sie unterschiedliche Sprachen sprechen und ganz unterschiedliche Herkunft haben.
Nicht aus der Apostelgeschichte, sondern eine Vision von Facebook.

Oder Google: Grundsatz 5: Man sitzt nicht immer am Schreibtisch wenn man eine Antwort benötigt. Alles Wissen soll immer und überall verfügbar sein – Omnipräsenz heißt das in der Theologie. Eine Eigenschaft Gottes.
Und Google ist dabei das zu verwirklichen. Nutzerprofile, die nicht nur sagen, wie ein Mensch ist, sondern wie er sich höchstwahrscheinlich entwickeln wird. Welches seine Wünsche und Träume sind, und welche davon er sich wann erfüllen wird. Prädestination. – die gnädige Vorsehung und Vorbestimmung – auch eine Eigenschaft Gottes.

Ist das alles eigentlich jetzt gut oder schlecht? Ich frage mich das schon manchmal, was wir da gerade erleben. Oft steht mir vor Staunen der Mund offen und ich bin mir nicht sicher, bin ich ein Hirte in der Weihnachtsgeschichte dem gerade ein Engel begegnet ist. Oder bin ich doch eher Zeuge wie Gottes Gericht über uns Menschen hereinbricht und ich stehe da wie Lots Frau – zur Salzsäule erstarrt.
Tatsache ist, dass wir heute Umbruchzeiten erleben. Was kann unsere Aufgabe als Christen dabei sein?

Eine Prophetische vielleicht. Mahnende Worte sind sicher manchmal nötig. Wenn Menschen unbedarft Vertrauliches veröffentlichen und verspottet werden, für was auch immer. Dann müssen wir im Namen der Freiheit eingreifen. Vielleicht brauchen wir dann so etwas wie 10 Gebote für die digitale Welt

Zum Beispiel das zweite Gebot:
Du darfst den netzfreien Tag heiligen, oder: du sollst nicht illegal downloaden, oder: du brauchst keine schwachen Beziehungen eingehen. – Das alles sind keine Ideen von mir, sondern von Johanna Haberer, Professorin für christliche Publizistik in Erlangen.

Das alles wird es sicher brauchen. Ich würde mir aber noch etwas anderes wünschen: Neugierde.
Wir sollten das Internet nicht zum Gottfreien Raum erklären – denn das ist es nicht.
Ich habe etwas gelernt von den Jungen Frauen im Cafe – ich habe angefangen darüber nachzudenken, ob mein Tischgebet genauso freudig und dankbar daherkommt, wie der Post im Internet.
Danke, dass ich heute so gut zu Essen habe. Diese Dankbarkeit will ich teilen – mitteilen. Anderen von meiner Freude abgeben – das ist heute so leicht.
Wir sollten das Internet aber auf der anderen Seite auch nicht zu Gott erklären, denn auch das ist es nicht. Wir können und wir sollen mitgestalten – uns einmischen – posten. Grenzen aufzeigen wo es nötig wird.

Und wir sollten die Maßstäbe, die wir in unserer realen Welt als gut und richtig erkannt haben, auch im Internet beherzigen. Denn auch hier sind Menschen, die verletzlich sind, die geliebt werden wollen und die Trost brauchen. Die Technik haben wir. Was wir brauchen ist ein unerschrockenes und liebevolles Herz. Dazu helfe uns der Geist Gottes an diesem Pfingsstag. Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Ein Kommentar zu “Pfingstpredigt

  1. Andreas und Silvia

    Hallo Michael, wir haben gerade deine Predigt gelesen und finden sie sehr schön

    LG Andreas und Silvia 🙂

    PS Freuen uns auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen mit Euch 🙂

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